Urban Gardening - Wirklich ein Trend?
Der Gemüsegarten hinterm Haus - er kommt zurück. Diese Entwicklung zieht sich kontinuierlich durch die Großstädte Deutschlands und wie so oft sind uns die USA mal wieder ein Stück voraus.
Hier wird nämlich schon auf den Dächern von New York geimkert. "Die Städter entdecken die neue Lust am Selbermachen und Selberernten, was bis vor kurzem noch ein Relikt längst vergangener Zeiten war", erklärte Dr. Christa Müller, Geschäftsführerin der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis in München, im Rahmen eines Vortrages in Heidelberg. Die Natur in der Stadt befindet sich im Umbruch und laut Müller wird es zu einer umfassenden Neugestaltung kommen. Die zentrale Leitunterscheidung zwischen Stadt und Land sowie zwischen Natur und Kultur gerate ins Wanken. Die Sehnsucht nach produktiven Tätigkeiten und dem "Sel-bermachen" ist groß. Die heutige Jugend wendet sich stark ab von in-dustrialisierter Landwirtschaft und Tierhaltung und selbstgemachte Marmelade ist in New York inzwischen ein "must have". Die Zukunfts-forscher rechnen damit, dass die weltweit labile Finanzstruktur zu einem Wohlstandsverlust in der westlichen Welt führen wird. Freundschaft, Gemeinschaft, mehr Zeit für sich und zum Gärtnern haben, sind die zukünftige Form eines postmateriellen Wohlstandes. Deshalb produzieren die neuen Stadtgärtner ihr Saatgut auch selbst, tauschen dieses und ihre Erfahrungen aus, verwenden gerne alte Sorten und vermeiden Hybriden. Die Planungsidee "Agropolis" für den neuen Münchner Stadtteil "Freiham" berücksichtigt bereits diese Strukturveränderungen in Form von Flächen für Gärten, Kompost, Kleinviehhaltung und Lagerkeller. Zukünftig wird der ethische Konsum stärker werden, d.h. Produkte, die fair und umweltverträglich produziert werden, treffen die Ansprüche dieser heranwachsenden Generation, erklärte Christa Müller, die im Frühjahr den Sammelband zum Thema herausbrachte: Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. (oekom Verlag, München 2011)
Quelle: Petra Reidel

