Schönheiten im Schatten

Da wächst doch nichts! Mit diesem enttäuschten Ausruf hat so mancher Gartenbesitzer seine »dunklen Ecken« kommentiert. Dass das nicht stimmen kann, lehrt ein Waldspaziergang. Nicht nur Naturfreunde können darüber staunen, was im lichten Laubmischwald in Bodennähe so alles grünt und blüht. Es wäre aber auch eine Schande, wenn die Natur einen so nährstoffreichen Standort wie den humosen Waldboden unbesiedelt ließe. Gleiches gilt für den Garten; der Umwandlung eines Schattenplatzes zu Blütenparadiesen steht nichts im Wege.

Die Auswahl an Schattenpflanzen größer als man meinen möchte. Nicht nur die in die Tausende gehende Zahl der Hosta-Sorten und viele Farn-Arten warten auf eine Verwendung. Unter den kleineren Stauden wie Purpurglöckchen (Heuchera) und Lungenkräuter (Pulmonaria) gibt es ebenfalls viele blattschöne Sammlerobjekte. Machen Sie sich aber bewusst, dass fast alle der so genannten Schattenpflanzen umso besser gedeihen, je mehr Licht sie bekommen. Nur wenige, wie einige Hosta mit extremen Weiß-Anteilen im Blatt oder empfindliche zarte Waldpflanzen wie Rautenanemone (Anemonella) oder Waldlilien (Trillium) nehmen an sonnigen Standorten Schaden – in erster Linie aber wegen mangelnder Luftfeuchtigkeit und austrocknender Winde. Die meisten Gartenstauden für den Halbschatten wuchsen ursprünglich an Lichtungen oder Waldrändern und wagen sich in die Sonne vor, solange der Boden nur feucht bleibt. Herbst-Anemonen (Anemone hupehensis, A. x hybrida, A. tomentosa), Astilben, Silberkerzen (Cimicifuga) und Co. wachsen an lichtärmeren Standorten reichlich locker und blühen weniger reich. Bei buntem Laub nimmt die Farbintensität unter Umständen ab. Die beliebten rotblättrigen Heuchera beispielsweise werden in der Sonne intensiv ausgefärbt, im Schatten dagegen eher bräunlich und manche Hosta, wie die schöne ‘June’, bilden nur bei ausreichendem Licht ihre effektvollen Farbkontraste aus.

Sollen im Schattengarten alle Pflanzen ihr Bestes geben, ist die Hilfe von Menschenhand nötig: Zunächst wird der Boden gelockert und mit viel organischem Material angereichert. Unter Bäumen mit flach streichendem Wurzelsystem ist außerdem eine künstliche Bewässerung von Vorteil, um rasches Austrocknen zu verhindern; selbst lang anhaltende Regenfälle bringen dort kaum ausreichend Feuchtigkeit. Unter Bäumen, die mehrere dicke Wurzeln in Oberflächennähe bilden (alte Kirschbäume!), lassen sich dazwischen Bereiche schaffen, die ausreichend Raum für Unterwuchs bieten. Gutes kommt übrigens auch im Schattengarten auch von oben: Gefallenes Laub dient als natürliche Mulchauflage und sollte auch den Winter über liegen bleiben.