Mai & Juni - Die Welt der Gartenstile

Es gibt eher selten einen Garten, der durchweg in einem Gestaltungsstil angelegt ist.

Meist mischen sich die unterschiedlichsten „Charaktermerkmale“ auf einem Grundstück zu einem großen Ganzen. Die „Titulierung“ eines Gartenstils kann sich aus der Verwendung, bzw. Kombination, der Baustoffe und Pflanzen ergeben, nach der Nutzung benannt sein (Familien-/Seniorengarten) oder auch von seiner sichtbaren Formgebung oder vom „Charakter“ der bestehenden Pflanzung abgeleitet werden.

Letzteres finden wir unter den Begriffen Waldgarten, Heidegarten, Teichgarten, Präriegarten … immer sind es der Standort (Bodenverhältnisse und Licht) und die dazu passenden Pflanzen, die ein Gesamtbild ergeben.

Die klassischen Gartenstile
Sie beschreiben – neben der Auswahl der zugehörigen Pflanzen – immer auch die Verwendung der Baustoffe und – nicht zuletzt – der zusätzlichen Dekorationsartikel, die einen Garten ja auch wesentlich prägen. Hier ein paar Beispiele, kurz beschrieben:

Der Landhausgarten
Der „Cottage-Garden-Stile“ aus England machte bei uns einen Gartenstil populär, der traditionell in ländlichen Gebieten auch bei uns gepflegt wird. Prachtstauden, auch im Gemüsegarten, und unzählige, üppige Blütenpflanzen sowie eine „rustikale“ Dekoration machen solch einen Garten aus; einen Garten, der auch immer gleichgesetzt wird mit Genießen und Schlemmen ….

Der Mediterrane Garten
Das Flair von Sonne, Sonne, Sonne und Weite – also Helligkeit, Wärme und Frische - holen wir uns hier in den Garten. Terracotta und Gelb als Grundfarbton der Baustoffe, viele immergrüne Gewächse südländische Pflanzen in Kübeln und Duftkräuter im Beet …. die Hauptrolle bei der Dekoration spielen vor allem Licht (Kerzen, gelbes Licht), Wasserelemente und Stoffe aus dem Mittelmeerraum.

Der Naturgarten
In ihm finden – im „Idealfall“ – nur solche Pflanzen Verwendung, die auch in der betreffenden Region in der Natur wachsen. Ein Naturgarten ist immer auch eine Oase für Wildtiere, die Baustoffe sind Naturstein und Holz; ein Teich bietet weiteren Lebensraum für Tiere. Ein gekonnt gestalteter Naturgarten ist – mit all seinen Blüten, Formen und Düften - immer auch ein Paradies für den Menschen.

Der Asiatische Garten
Aus vielen asiatischen Regionen kommt die Tradition, einen Garten in diesem Stil anzulegen. Doch bitte nicht vergessen: meist sind es Mönche, die diese Gärten anlegen. Immer stehen eine Philosophie des Gärtnerns und eine Religion dahinter. So gibt es z.B. in manchen Asiatischen Gärten für jeden Baum jeweils einen Menschen, der nur ihn pflegt …. Und schon bei der Planung wird jeder Bereich ganz innig als „Miniaturabbild“ der Natur gesehen. Bei uns sind die Gestaltungsmerkmale in der Regel: zu „Bonsai-Form“ geschnittene Koniferen, kleine Ahorn-Arten und viele Flächen, die mit Kies oder Split bedeckt sind; Gräser, Ahorn, Bambus und wenige Blütengehölze als Solitärpflanzen.

Bezüglich der Formgebung unterscheiden wir:

* den formalen Garten, der vollkommen durchstrukturiert ist und vor allem mit streng geometrischen Beet- und Wegformen und symmetrisch angelegter Bepflanzung und vielen Formgehölzen direkt sichtbar macht, dass hier der Mensch am Werk war. Klassische Beispiele sind viele große Schlossgärten.

* den frei gestalteten Garten, der geschwungene Beet- und Wegformen hat, die sich dem Gelände anzupassen scheinen. Die Bepflanzung wirkt „frei“, hier tritt der Mensch als Gestalter eher in den Hintergrund, wie z.B. in einem Naturgarten.

* den gemischten Gartenstil, in dem einzelne Bereiche (z.B. Terrasse, Kräutergarten, Wasserbecken …) streng formal gestaltet wurden, andere Gartenteile (meist der Rand und größere Freiflächen) „freie“ Formen haben.

Eva-Marie Ratius - Magmell Gartenberatung